Bistritz, meine Heimatstadt

von Edgar Reinhold Scholtes

An des schnellen Flusses Strande

liegt im Siebenbürger Lande Bistritz, meine Heimatstadt.

Einstens boten Mauern, Gräben, starken Schutz für deutsches Leben

und des Christentumes Saat.



Kirch´ und Turm als Mahnmal ragten über´s Stadtbild und sie wagten,

Fingerzeig zu sein auf Gott,

öffneten die heil´ge Pforte,

kündeten im ew´gen Worte- Liebe als das höchst´Gebot.


Viele, die zu dir gekommen,

hast du freundlich aufgenommen

und du ließest sie nicht fort; ob von Süden oder Norden,

gerne sind sie sesshaft worden im gemütlich trauten Ort.


Von den Luft´gen Bergeshöhen, haben weit ins Land gesehen,

Glückliche auf ihre Stadt.

Ja, zu Dank und Ehrfurcht mahnen stolze Werke unserer Ahnen,

Fleiß und Mut und gute Tat!

Sommer zog uns in die Wälder, über Wiesen Au´n und Felder-

hin zum Rubentaler-Wald.

Abenteuer lockten viele, zu Entdeckung, frohem Spiele, und Gesang,

der laut erschallt.

Winter´s Ski und Rodel lobten,

Schieferberg und Burg und tobten in des Schnees gesundem Sport.

Eisplatz schuf in nobler Geste, strahlend Schau- und Kunstlauf Feste,

riß uns zur Begeist´rung fort.


Schulen und die Sportvereine, aktivierten Geist und Beine

und die Handball Leidenschaft.

Jeder Gegner lag zu Füßen, ließ uns stolzen Ruhm genießen;

Die Europa Meisterschaft!

Wandervogel zog in Fernen, griff nach Sonne, Mond und Sternen

für des deutschen Volkes Ehr´,

pflegte Tanz Gesang und Sitte und es wuchs aus ihrer Mitte,

unseres Volkes lebend´ge Wehr.


Handwerk war mit Kunst verbunden, ließ den Wohlstand froh gesunden,

Meisters Ehre hing darin.

Aus den schmucken Garten-Schollen, Obst und Früchte reichlich quollen,

Blumen krönten Gärtnersinn.


Weithin war der Ruhm gedrungen und erklang in allen Zungen,

von des deutschen Handwerks Gut.

Möbel, die ein Kunstwerk bilden, Stücke aller Handwerks-Gilden,

weckten zur Fabrik den Mut.


Reiche, Könige und Fürsten kauften Leder, Stoffen Bürsten,

Wurst und Weine, Seifen, Leim,-

Bis zum Orient hin drangen Kaufleut,

die Gefahren zwangen, brachten Gold und Silber heim.


Auch die Könige im Lande, Deutschland´s, England´s Anverwandte,

haben uns´re Kunst begehrt. Preisgekrönte Lieferanten,

stolz zu Waren sich bekannten,

die im Land so hoch geehrt.


Bistritz, deine Dörfer Grüßen! Nösnerland ließ Weizen sprießen,

köstlich Brot und besten Wein.

Feierabend im Genusse,

schwelgte reich im Überflusse, lud dazu die Freunde ein.


„Saure Wochen, - frohe Feste“ gaben unserer Stadt das Beste:

Zäher Fleiß und Freuden laut!

Winzerkunst und gutes Essen, Sang und Tanz war unvergessen

und Geselligkeit vertraut,

Die Gemeinschaft fand Berater und sie pflegten das Theater,

jede Gruppe bracht´ ein Stück. Lange Winter wertvoll füllen

und Kultur dem Volk enthüllen,- Welche Freude, welches Glück!


Ein so hohes Ziel beordert Geist und Jugendkraft,

und fordert in Musik, Gesang und Tanz

Kunstgefühl in allen Rollen; Zeit und Mühe, gutes Wollen –

opferten wir froh und ganz.

Abends spielte die Kapelle; unversiegbar war die Quelle,

die Musik und Schauspiel bot.

Wenn Vereine Bälle brachten, die Zigeuner Fideln wachten

selig bis zum Morgenrot.


Manches Fest im Städtchen spannte,

weit den Bogen und bekannte offen sich zur Menschlichkeit;

Die Gefallenen zu ehren, Kriegen und dem Hass zu wehren

und zum Frieden sein bereit!

Schulfest war die Märchen-Wonne und es strahlte Maiensonne

in den Herzen Jung und Alt.

Auch die anderen Völker zogen, deutschen Schulen stehts gewogen,-

fröhlich mit zum Schuller-Wald.

Städtchen, du ließest Anteil nehmen Ungarn, Juden und Rumänen,

einem „Klein- Europa“ gleich;

warst die Wiege der Nationen, die einander achten, schonen,-

ein gesegnet Friedensreich!

Die Jahrhunderte vergingen,

Siebenbürgen sollt´s gelingen:

Duldung trug es in die Welt, Frieden unter die Nationen!

Bistritz ließ sie friedlich wohnen, die auf Menschlichkeit gestellt.

Alle reichten sich die Hände, bis des Chauvinismus Wende

uns Jahrhunderte zerschlug.

Krieg und Elend war´d geboren und die Heimat ging verloren

für das Handwerk und den Pflug.


Heimatlos sind deine Kinder,

Bistritz,- wie verlorene Sünder, irren sie durch Länder hin.

Doch kein Land kann wieder geben, was uns trug durch´s ganze Leben;

Christlichen Gemeinschaftssinn.


Eine Schar entkam der Rache und sie halten treu die Wache

in des Städchens würd´gem Dom.

Lasst sie Ahnengräber pflegen!

Gebe Gott der Treue Segen und den Treuen ew´gen Lohn!



Was die Fremde uns genommen, schenken wir, -

die immer kommen,- Brüdern, Schwestern ins Gemüt,

stärken sie in Gram und Schmerzen,- Nösnerland, du lebst im Herzen!

wo noch Freundschaft in uns glüht.


Bistritz, du bist unvergessen!

Unser bess´res Ich und Wesen

ist geprägt von deinem Glanz. Segne Gott der Sendung Mühen,

hin zur Liebe zu erziehen – Menschen - und zur Toleranz.

Siebenbürgen ist Verpflichtung, soll in Leben, Wort und Dichtung –

Vorbild sein für jedermann, auch für Deutschlands laue Brüder,

denn das Deutschtum liegt darnieder,

schläft in tiefem Ohnmachts-Bann.

Ist auch klein die Schar der Treuen, wird das Volk sich doch erneuern,

jeder trage dazu bei!

Soll Europas Staat uns nützen, möge er das Volkstum schützen

und die Völker machen frei!

Jeder kämpf´an seinem Orte mit der Tat und gutem Worte

bis Europa sich vereint

und auch Siebenbürgens Brüder, sich zusammenfinden wieder,

wie das Menschenrecht es meint.


Leben wird sich neu entfalten.-

Acht Jahrhunderte erhalten hat sich Deutschtum ohne Staat.

Darum lasst den Mut nicht sinken! Möge uns als Vorbild blinken-

Siebenbürgens Opfertat!


Heimatstadt getreuer Väter!

Als des Gotteswortes Täter, seid ihr Ahnen immer da.

Deine Gnade, Herr der Zeiten, mög´ uns in die Zukunft leiten,

Sei mit deinem Schutz - uns nah!

Bad Kissingen, Asta-Haus, den 15. Februar 1982 (5-8 Uhr) Und 16. Februar 1982 ( 0-2 Uhr und 6:30 -7:30 Uhr) von Edgar Reinhold Scholtes