Die Geschichte der Stadt Bistritz in Siebenbürgen

Diplom-Ingenieur Otto Gottfried Dahinten (1882–1955), von 1931 bis 1949 Leiter des Stadtbauamtes Bistritz, hat in mühevoller, akribischer Arbeit Seite um Seite die Geschichte der Stadt Bistritz versucht den Nachkommen zu erhalten und gegebenenfalls zugänglich zu machen. Heute ist „Die Geschichte der Stadt Bistritz in Siebenbürgen" für alle die sich mit der Geschichte der Stadt Bistritz befassen zu einem wertvollen Nachschlagewerk geworden. Dr. Ernst Wagner hat die Aufzeichnungen aus dem Nachlass Dahinten 1988 im Böhlau Verlag veröffentlicht.

 

In einem Vorwort, verfasst am 3. Dezember 1948, schrieb Otto Dahinten:

„Im übrigen sind alle diese Aufsätze in erster Linie zum eigenen Vergnügen geschrieben worden. Und diesen Zweck haben sie erfüllt. Ob später vielleicht jemand daran Interesse finden wird, ist nur in dem Falle wahrscheinlich, wenn die Zukunft auch den Deutschen wieder die Möglichkeit bieten würde, sich als freie, gleichberechtigte Menschen zu fühlen. Bis dahin aber wird noch viel Wasser im Bistritzfluß abwärts fließen."

 

Bistritz & Siebenbürgen heute

Wie recht sollte er behalten. Wer kann ermessen, wie viel Wasser in den 41 Jahren von 1948 bis 1989 im Bistritzfluß abwärts geflossen und wie viel Leid den Bistritzern und Nordsiebenbürgern in dieser Zeit durch das kommunistische Regime zugefügt worden ist.

 

Heute können die Deutschen in Siebenbürgen wieder als freie, gleichberechtigte Bürger leben. Doch das Überleben dieser, zu einer kleinen Zahl Aufrechter geschrumpften Gemeinschaft ist gefährdet, trotz aller Bemühungen der Regierung, der Politiker und der evangelischen Landeskirche.

 

Vorweg möchte ich deutlich machen: Ich bin zutiefst bewegt von dem Interesse, das noch so viele Landsleute für die Heimat unserer Vorväter, in unserem Fall für Bistritz und das Nösner Land aufbringen. Ich sage bewusst die „Heimat unserer Vorväter". Wir haben nach der Evakuierung 1944 und Aussiedlung (vorwiegend in den 1970er und 1980er Jahren) ein neues Zuhause außerhalb Siebenbürgens gefunden.

 

Unsere Kinder und Enkelkinder haben eine neue, eigene Heimat, nur wenige lassen sich von unserer Nostalgie anstecken. Wir, die Erlebnisgeneration der Evakuierung, der Flucht und Vertreibung, der Nachkriegszeit können noch nicht loslassen, wir sind noch stark durch Erinnerungen geprägt.

 

Die jungen Menschen leben ein intensives, durch den Alltag geprägtes Leben. Die Älteren, und daran merkt man auch, dass man älter ist, werden tagtäglich von Erinnerungen eingeholt. Dann vermischen sich die neueren und älteren gespeicherten Erinnerungen und man denkt nach und wird unsicher bei der Frage, wo ist eigentlich meine Heimat?

 

Mir persönlich fällt es schwer, mich festzulegen. Ich, der über drei Jahrzehnte hier in Deutschland beruflich und privat voll integriert war und ist, jedoch in letzter Zeit so oft und so intensiv wieder zeitweise in Siebenbürgen weilt, muss mir die Frage stellen: Wo ist eigentlich meine Heimat?

 

Es ist nachvollziehbar, dass Menschen die hier aufgewachsen sind, die in einem neuen Umfeld ihre Heimat hier gefunden haben und sich nicht mehr ablenken lassen wollen, sagen: mich interessiert „euere alte Heimat" nicht mehr.

 

wir-noesner-siebenbuergen-glockenweihe0910-27Der verhängnisvolle Brand der Bistritzer Kirche am 11. Juni 2008 hat weltweit Betroffenheit ausgelöst. Die nachfolgenden Solidaritätsbekundungen, bezeugt durch Spendenbereitschaft, hat wieder Interesse geweckt. Plötzlich regt sich in uns ein Gefühl der Verantwortung. Der Verantwortung gegenüber dem von unseren Vorvätern hinterlassenen Erbe aber auch ein Gefühl der Solidarität mit den noch wenigen dort lebenden Landsleuten.

 

Der rumänische Staat, die Bistritzer Behörden, die Evangelische Landeskirche, für die Bistritz sehr, sehr weit im Norden halb vergessen lag, und unsere Landsleute aus Nord- und Südsiebenbürgen haben gemeinsam innerhalb eines Jahres große Summen aufgebracht, so dass das Kirchendach und das Turmdach nach nur anderthalb Jahren in neuem Glanz erstrahlen. Die Glocken läuten wieder, in Kürze wird auch die Turmuhr den Bistritzern die Zeit anzeigen. Wir haben – allein wenn wir an die Bistritzer Stadtpfarrkirche denken – ein ungemein arbeitsreiches, zugleich jedoch auch beglückendes Jahr 2009 erleben dürfen.

 

Der Beitrag unserer Heimatortsgemeinschaft dazu, materiell und ideell ist mehr als beachtlich und dafür danke ich Ihnen allen im Namen des Vorstandes.

 

Der HERR segne Geber und Gabe, der HERR segne unsere Gemeinschaft.

 

Ihr Dr. Hans Georg Franchy

Vorsitzender

 


Bildmaterial & Fotos: Michael Weihrauch